Die Gründungsgeschichte Groupons beinhaltet zahlreiche Learnings für angehende Startup-Unternehmerinnen und -Unternehmer.

Sieben Learnings aus der Gründungsgeschichte von Groupon

08/06/2023
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Foto: Groupon Logo

Groupon gilt als bekanntester Name im Bereich der Online-Rabattangebote. Das E-Commerce-Startup wurde im Jahr 2008 von Andrew Mason in Chicago gegründet und entwickelte sich innerhalb kürzester Zeit zu einem Milliardenunternehmen, der Verbraucher in über 28 Ländern mit lokalen Händlern verbindet und Aktivitäten, Reisen, Waren und Dienstleistungen anbietet. 

Obgleich Groupon unbestritten als Pionier im Bereich der Online-Rabattangebote gilt, gab es in Spitzenzeiten (2010 und 2011) eine Vielzahl von Wettbewerbern mit austauschbaren Angeboten. Bedeutende Wettbewerber in den USA waren u.a. LivingSocial, Amazon Local, Google Offers, Yelp Deals und Groupalia. Hierzulande hatten die drei Rocket Internet-Brüder Oliver Samwer, Marc Samwer und Alexander Samwer den Groupon-Klon City Deal aufgebaut und international skaliert, während die beiden Heilemann-Brüder (Fabian Heilemann, Ferry Heilemann) gemeinsam mit Michael Brehm Daily Deal gegründet hatten. City Deal wurde später an Groupon verkauft, Daily Deal ging an Google. 

Sieben Erfolgsfaktoren von Groupon

Der aggressive Kampf um Marktanteile in einem boomenden Marktsegment und der bemerkenswerte Aufstieg Groupons hält zahlreiche wertvolle Lektionen für angehende Gründerinnen und Gründer bereit. In diesem Artikel werden sieben wichtige Learnings aus der Erfolgsgeschichte von Groupon beleuchtet, die Gründerinnen und Gründern helfen sollen, Ihr eigenes Startup schnell zum Erfolg zu führen.

Erfolgsfaktor Timing 

Der Start von Groupon erfolgte zu einer Zeit, als die Weltwirtschaft von der Finanzkrise 2008 erschüttert war. Dem Unternehmen gelang es, die Unsicherheiten des Marktes zu nutzen, um Verbrauchern attraktive Rabatte anzubieten. Dieses Timing erwies sich rückblickend als entscheidender Erfolgsfaktor, da Menschen zu dieser Zeit vermehrt nach Möglichkeiten suchten, Geld zu sparen. Das Learning ist, dass es in schwierigen Zeiten oft einzigartige Chancen gibt, die es zu erkennen und zu nutzen gilt. Timing ist als ein, wenn nicht der entscheidende Erfolgsfaktor für Startups. 

Erfolgsfaktor Kundennutzen

Groupon legte von Anfang an großen Wert auf den Kundennutzen und darauf, Verbrauchern einen Mehrwert zu bieten. Man stellte den Nutzer in den Mittelpunkt und konzentrierte sich darauf, Verbrauchern exklusive Rabatte anzubieten. Diese Strategie führte zu einer schnell wachsenden Nutzerbasis. Menschen wurden von attraktiven Angeboten angezogen. 

Das Learning hierbei ist, dass das Verständnis der Bedürfnisse und Wünsche der Kunden von entscheidender Bedeutung ist, um ein Produkt oder eine Dienstleistung erfolgreich zu vermarkten.

Erfolgsfaktor Marke

oupon gelang es, mit klarem Nutzenversprechen und kreativen Marketingkampagnen eine unverwechselbare Markenidentität aufzubauen. So konnte man schnell eine starke Positionierung auf dem Markt etablieren und sich von der Konkurrenz abheben. Dank der Schaffung einer starken Marke konnte sich Groupon bis heute von Wettbewerber abgrenzen. Groupon setzte von Anfang an auf eine starke Markenbildung. Durch kreative Marketingkampagnen und eine unverwechselbare Markenidentität konnte das Unternehmen eine große Bekanntheit erlangen. Das Learning hierbei ist, dass eine klare Positionierung und eine starke Markenidentität entscheidend sind, um sich in einem wettbewerbsintensiven Markt abzuheben.

Erfolgsfaktor Partnerschaften

Ein weiterer wichtiger Faktor für den Erfolg und die schnelle Expansion von Groupon war die strategische Partnerschaft mit lokalen Unternehmen. Dadurch konnte das Unternehmen sein Angebot schnell erweitern und den Kunden eine größere Vielfalt an Rabatten bieten. Diese Kooperationen spielten eine entscheidende Rolle bei der schnellen Expansion. Daraus leitet sich ab, dass strategische Kooperationen und Partnerschaften ein effektives Mittel sein können, um das Wachstum und den Erfolg eines Startups zu beschleunigen.

Erfolgsfaktor agiles Geschäftsmodell 

Groupon begann als Plattform für tägliche Rabattangebote. Speziell in den ersten Jahren zeigte das Unternehmen jedoch eine bemerkenswerte Fähigkeit zur Anpassung und Flexibilität seines Geschäftsmodells. Ursprünglich war das Unternehmen als Plattform für tägliche Rabattangebote gestartet, experimentierte aber kontinuierlich mit verschiedenen Produktkategorien. Diese Fähigkeit, sich anzupassen, ermöglichte es Groupon, sich in einem sich schnell verändernden Markt zu behaupten. Das Learning ist, dass Flexibilität und die Fähigkeit, das Geschäftsmodell anzupassen, entscheidend sind, um mit den sich ändernden Marktbedingungen Schritt zu halten.

Erfolgsfaktor Community

Eine weitere Stärke von Groupon war das effektive Community-Management. Das Unternehmen baute eine engagierte Community auf und nutzte soziale Medien und interaktive Kommunikationskanäle, um mit den Kunden in Kontakt zu treten und Feedback zu erhalten. Dies spielte eine wichtige Rolle bei der Kundennähe und Markenbildung.Das Learning hierbei ist, dass eine aktive Community und ein effektives Community-Management dazu beitragen können, den Erfolg eines Startups zu steigern.

Erfolgsfaktor nachhaltige Skalierung

Groupon erlebte ein enormes Wachstum und expandierte in kurzer Zeit in verschiedene Länder. Während das schnelle Wachstum beeindruckend war, sorgte es aber für Herausforderungen und Wachstumsschmerzen. Dabei zeigt die Geschichte Groupons, dass vor allem nachhaltige Skalierung von entscheidender Bedeutung ist. Hierbei kommt sorgfältigem Wachstumsmanagement eine entscheidende Bedeutung zu. Hieraus resultiert das Learning, dass eine nachhaltige Skalierung essentiell ist und dass Startups sorgfältig planen sollten, wie sie mit ihrem Wachstum umgehen, um mögliche Stolpersteine zu vermeiden.

Fehler, die Groupon gemacht hat

Wie gerade beschrieben beinhaltet die Gründungsgeschichte Groupons zahlreiche Learnings für Gründerinnen und Gründer. Trotz dieses Erfolgs hat das Unternehmen im Laufe der Zeit auch einige Fehler gemacht. 

Fehler 1: Überexpansion 

Groupon hatte binnen kürzester Zeit in zahlreiche Länder expandiert (Landgrabbing-Modus). Dabei wurden immense Summen in den Aufbau seiner Präsenz auf globaler Ebene. Dies führte zu einer Überlastung der vorhandenen Ressourcen sowie mangelnder Kontrolle des Wachstums. In Folge konnten Ressourcen nicht immer effizient genutzt werden, was zwangsläufig zu ineffektiven Abläufen und hohen Kosten führte.

Fehler 2: Starke Abhängigkeit von Verkäufern:

Als Plattform war Groupon war stark von seinen Verkäufern abhängig, deren Aufgabe es war, Rabattangebote auf der Plattform anzubieten. Dieses Abhängigkeitsverhältnis führte jedoch dazu, dass Groupon immer weniger Kontrolle über die Qualität der angebotenen Dienstleistungen und Produkte hatte.

Fehler 3: Unkontrollierte Expansion

In seinem Bestreben, das Wachstum zu beschleunigen, zeigte Groupon (wie oben beschrieben) eine bemerkenswerte Agilität. Zeitgleich erweiterte Groupon sein Geschäftsmodell über die ursprünglichen täglichen Rabattangebote hinaus und versuchte sich in verschiedenen Bereichen wie z.B. Reiseangeboten. Diese unkontrollierte Expansion führte jedoch zu einer Verwässerung der Markenidentität und zu einer fehlenden Fokussierung auf den Kernwert der Plattform.

Fehler 4: Schlechte Beziehungen zwischen Verkäufern und Kunden

Aufgrund des überhitzten, durch zahlreiche Konkurrenten geprägten Marktes, hatten Groupon und seine Verkäufer immer wieder Schwierigkeiten, bei den Konditionen der Rabattangebote Einigung zu erzielen. Dies führte teils zu negativen Erfahrungen für Verkäufer und Kunden und letztendlich zu einem Reputationsverlust von Groupon. Eine bessere Kommunikation und Beziehungspflege mit den Partnern hätte vermutlich viele Probleme vermieden.

Fehler 5: Mangelnde Rentabilität

Trotz des anfänglichen Erfolgs hatte Groupon permanent mit seiner langfristigen Rentabilität und Nachhaltigkeit zu kämpfen. Die Logik des Geschäftsmodells basierte auf einer konstant hohen Anzahl an Neukunden, die mittels Rabatten gewonnen wurden. Während dieser Teil gelang, war es schwierig, diese Kunden langfristig zu binden und sie zu profitablen, wiederkehrenden Nutzern zu machen. Dies führte seitens Groupons zu einer Unsicherheit in Bezug auf die finanzielle Stabilität des Unternehmens.

Fazit 

Insgesamt bietet die Gründungsgeschichte von Groupon wertvolle Learnings für angehende Gründerinnen und Gründer. Das Timing, die Fokussierung auf den Kundennutzen, der Aufbau einer starken Marke, strategische Partnerschaften, Flexibilität im Geschäftsmodell, effektives Community-Management und eine nachhaltige Skalierung sind allesamt wichtige Faktoren, um ein erfolgreiches Startup aufzubauen und zu führen.

Die Gründungsgeschichte von Groupon bietet wertvolle Erkenntnisse für Startups, die schnell wachsen möchten. Von der Bedeutung des Timings über den Fokus auf den Kundennutzen bis hin zur agilen Anpassung des Geschäftsmodells sind diese Learnings entscheidend, um ein erfolgreiches Startup aufzubauen. Indem wir diese Lektionen aus der Geschichte von Groupon beherzigen, können wir die Chancen maximieren und die Risiken minimieren, während wir unser eigenes Unternehmen aufbauen.

Sehenswerte Videos über Groupon

The Groupon Disaster - A Case Study for Entrepreneurs

ine Fallstudie über Groupon, die von Tom Ellsworth, auch bekannt als “The Biz Doc”, präsentiert wird. Die Fallstudie konzentriert sich auf Geschäftsmodelle und Reputation Management und bietet zahlreiche wertvolle Lektionen für Unternehmerinnen und Unternehmer. 

Andrew Mason: What I've Learned at Groupon

Im Rahmen der Interview-Reihe “View From The Top “ spricht Groupon CEO Andrew Mason vor einem Studentenpublikum über seinen unternehmerischen Werdegang. Mason wurde von Peter Wendell, Managing Director von Sierra Ventures und Dozent an der Stanford Graduate School of Business, interviewt. Die View From The Top Speaker Series bietet eine Plattform für inspirierende Vorträge von Führungskräften. 

Personen, die den frühen Erfolg von Groupon mitgestaltet haben

In den Anfangstagen Groupons hatten mehrere Personen eine entscheidende Rolle für den Erfolg des Unternehmens.

  1. Andrew Mason (Gründer): Andrew Mason war der Gründer und Mastermind von Groupon und spielte eine zentrale Rolle bei der frühen Entwicklung des Unternehmens. Mason wurde im Februar 2013 als CEO von Groupon entlassen. 
  2. Eric Lefkofsky (Gründer): Eric Lefkofsky gilt ebenfalls als einer der Gründer von Groupon, war aber auch einer der ersten Investoren und Mitglied des Board of Directors von Groupon. Nach der Entlassung Masons wurde Eric Lefkofsky, zum Interims-CEO ernannt. Lefkofsky spielte eine wichtige Rolle bei der strategischen Ausrichtung und Weiterentwicklung des Unternehmens. Eric Lefkofsky's  Venture-Capital-Unternehmen Lightbank war einer der frühen Investoren von Groupon und spielte eine entscheidende Rolle bei der Finanzierung des Unternehmens. 
  3. Brad Keywell (Gründer): Brad Keywell war ein weiterer Mitgründer von Groupon und vor allem wichtig in der Gründungsphase des Unternehmens. Er spielte eine Rolle bei der Entwicklung der Geschäftsstrategie und der Finanzierung des Unternehmens.
  4. Ted Leonsis (Mentor und Investor): Ted Leonsis, erfahrener Unternehmer und Investor, hatte eine bedeutende Mentorenrolle für die Gründer von Groupon. Er brachte wertvolle Erfahrungen und Ratschläge in das Unternehmen ein und unterstützte bei der strategischen Planung.

Die wichtigsten Investoren von Groupon

wischen 2007 und 2011 konnte Groupon zahlreiche Investoren gewinnen. Zu den Investoren zählen MIG Capital, RTP Global, Techstars, Kite Ventures, Maverick Ventures, Fidelity, Morgan Stanley Venture Partners, Greylock, TCV (Technology Crossover Ventures), Kleiner Perkins, DST Global, Battery Ventures, Silver Lake, Andreessen Horowitz, Accel, HV Capital und SVA (Silicon Valley Bank). Insgesamt hat Groupon rund 1,4 Milliarden US$ eingeworben. 

Groupon an der Börse

Das Unternehmen ist seit 4. November 2011 an der US-Technologiebörse NASDAQ gelistet. Der Ausgabekurs für den Börsengang lag bei 20 US-Dollar pro Aktie. Die Bewertung von Groupon lag damals bei rund 12,7 Milliarden US-Dollar. Es war einer der größten Börsengänge für ein Technologieunternehmen zu dieser Zeit. 

Heute tariert Groupon heute mit einem Börsenwert von rund 150 Millionen US$ rund 98 Prozent unter seinem Ausgabekurs und gilt als gescheitert.