Brisante Dokumentation des Bayrischen Rundfunks

"Dirty Little Secrets": Spotify und Eventim im Fokus der Kritik

07/08/2023
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In einer dreiteiligen Dokumentation mit dem Titel “Dirty Little Secrets” beleuchtet der Bayerische Rundfunk (BR) die kontroversen Geschäftspraktiken von Musik-Streaming-Riesen Spotify und dem deutschen Ticketvertriebsgiganten Eventim.

Dirty Little Secrets Folge 1 - Der geheime Deal mit den Labels

Die Dokumentation beginnt mit einer groben Übersicht über die Entwicklung des Musikmarktes - von der CD-Ära über illegale Downloads bis hin zum aktuellen Streaming-Boom. Laut der Doku ist Spotify weltweit führender Anbieter, mit einem Drittel aller Musik-Streaming-Abonnements, während Apple und Amazon mit jeweils rund 15% folgen. Laut Doku “verdient die Musikindustrie im Jahr 2022mehr als jemals zuvor mit Musikaufnahmen. Dem Streaming sei Dank. Und die Majors bekommen ihren Anteil.” Trotz des finanziellen Aufschwungs der Branche bleibt das Einkommen vieler Künstler:innen dabei unverändert niedrig. So wirft die Doku u.a. die Frage auf: “Mehr als acht Millionen Künstler sind auf Spotify, doch weniger als ein Prozent von ihnen verdient 90 Prozent des gesamten Geldes. Wie kann das sein?”. “Die Berliner R-’n’-B-Aktivistin Balbina rechnet vor: Weniger als ein Prozent der Künstlerinnen und Künstler, beklagt sie in “Dirty Little Secrets”, verdiene bei Spotify 90 Prozent des Geldes. Der Deutsch-Rocker Peter Maffay prangert an: “Es sind Verträge geschlossen worden, untereinander, die nicht offengelegt werden an den Künstlern vorbei. So, und was wir wollen ist genau da Einblick zu bekommen damit wir wissen, wie abgerechnet wird, wo Geld abgezweigt wird.”

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Dirty Little Secrets Folge 2 - Geistermusiker

Zentrales Thema des zweiten Teils von “Dirty Little Secrets” ist das Phänomen s.g.  “Geistermusiker”. So wird ein schwedischer Musiker vorgestellt, der unter verschiedenen Pseudonymen Musik veröffentlicht, darunter auch mit fiktiven Profilen wie dem einer jungen Pianistin aus Paris. Pikant: Die Profile dieser Musiker generieren Millionen von Streams, während sie Deckung vo, Spotify-Management erfahren. Die Doku deckt Verbindungen zwischen einem schwedischen Label, das diese “Geistermusiker” vertritt, und der Spitze von Spotify auf.

Der Neo-Klassik-Komponist und LoFi-Musiker Norman Dück beispielsweise erzielt auf Spotify  monatlich rund zehn Millionen Streams. Er komponiert durchschnittlich fünf Songs pro Woche. Obwohl er seine Musik bereits seit 2014 auf Spotify veröffentlicht, verzeichnet er erst ab 2020 größere Erfolge. Damals gelang es ihm, seine täglichen Streams von 400 auf 50.000 zu steigern.

“Dirty Little Secrets” bietet auch eine Diskussionsrunde, die von der Künstlerin Balbina organisiert wurde und an der namhafte Künstler wie Peter Maffay, Maeckes und andere teilnehmen. Sie teilen ihre Erfahrungen mit Streaming-Plattformen und diskutieren die finanzielle Nachhaltigkeit ihrer jeweiligen Karrieren in diesem System. Der Rapper Chefket kritisiert, dass Künstler heute schnell produzieren sollen, vergleichbar mit “Fast Food”, obwohl er lieber qualitativ hochwertige Musik erstellen möchte. 

Conny Zhang, Head Of Music bei Spotify, wird interviewt, bleibt jedoch bei vielen Antworten vage. Sie vergleicht Spotifys Geschäftspraktiken mit Künstlern wie Beyoncé, die verschiedene Künstleridentitäten verwenden, und stellt philosophische Fragen nach dem Wert eines Künstlers und den Lebenskosten.

In einem weiteren Abschnitt wird die Band OK Kid vorgestellt, die offenlegt, wie viel sie durch Streaming verdient hat. Parallel dazu wird auch das Geschäftsmodell von Eventim diskutiert, insbesondere die Verteilung der Einnahmen aus Ticketverkäufen.

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Marktentwicklung Musikbranche
Marktentwicklung Musikbranche

Dirty Little Secrets Folge 3 - Die verschwundene Firma

Der dritte und letzte Teil von”Dirty Little Secrets” konzentriert sich auf den Ticket-Anbieter Eventim und dessen wachsenden Einfluss im Ticketverkauf. Eine geplante Partnerschaft zwischen Four Artists, der Booking-Firma der Deutschrap-Gruppe Die Fantastischen Vier, und Eventim wurde durch das Kartellamt blockiert. Da der Geschäftsführer von Four Artists später das Unternehmen verlassen hat, um gemeinsam mit Eventim eine neue Agentur namens All Artist Agency zu gründen, wird auch Smudo, Mitglied der Fanta Vier, interviewt. Dieser gibt an: „Ich sag’s, wie’s ist: Die Öffentlichkeit weiß nicht, dass unsere Firma geklaut wurde.“ 

Die Dokumentation schließt mit der Schlussfolgerung, dass im Musik- und Live-Geschäft oft diejenigen profitieren, die nicht direkt Musik machen, während viele Künstler:innen, insbesondere die kleineren, unter diesem System leiden.

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Auch wenn “Dirty Little Secrets” stilistisch auf ein jüngeres Publikum abzielt, bringt es wichtige und ernsthafte Fragen über die Musikindustrie in den Vordergrund. Es wirft ein Schlaglicht auf die dunklen Ecken der Musikindustrie und fordert sowohl die Industrie als auch die Konsumenten heraus, die Bedeutung und den Wert von Musik in der modernen Welt neu zu bewerten.

 

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